OPER GEGEN INNERE ZWÄNGE UND ÄUSSER(ST)E NÖTE

JENUFA
Oper in drei Akten aus dem mährischen Bauernleben von Leos Janácek;
Dichtung von Gabriela Preissová,
Deutsch von Max Brod

29. Mai, 1. Juni, 5. Juni und 9. Juni, Staatsoper, Wien

Der Kunstform Oper wird (allzu) oft unterstellt, sie böte uns Menschen des dritten Jahrtausends Harmonie und schöne Klänge, hätte uns aber inhaltlich nichts oder nur wenig "zu sagen". Dieser Oper aus dem frühen 20. Jahrhundert ist jedoch so gut wie nichts Menschliches fremd; dieses Faktum macht sie zeitlos aktuell und positioniert sie paßgenau in die Veranstaltungsreihe der Aktion "KUNST GEGEN GEWALT".


Schon der Eifersuchts-Plot zwischen Stewa und seinem Stiefbruder Laca weist eindringlich auf den Aspekt der Gewalt hin, wenn Laca Jenufa für sich will und ihre "apfelglatten Wangen" mit einem Messer verstümmelt, um die Titelheldin so für Stewa weniger begehrenswert zu machen. Die Eskalation der Gewalt schlechthin ist zweifellos der Mord an Jenufas Kind.


"Jenufa" besticht daher vor allem auf der psychologischen Ebene, und speziell in den Soloszenen wird ein virtuoses Bild der mit Extremsituationen konfrontierten Individuen realisiert. Nicht umsonst bezieht die Handlung ihre Spannung immer wieder aus gewaltassoziierten Einzelheiten wie dem Peitschenstil, an dem Laca schnitzt, dem wilden Gehabe der Rekruten und schließlich dem bedrohlichen Verhalten der Menge der vermeintlichen Kindesmörderin Jenufa gegenüber, die der Lynchjustiz nur knapp entgeht. In der Überwindung dieser (allzu) menschlichen Verhaltensmuster gelingt Janácek ein eindringliches und vor allem absolut glaubwürdiges Plädoyer "gegen die Gewalt". Jenufa ist ein zeitloses KunstWerk im Geist der Versöhnung, des Glaubens an ewige menschliche Werte und an die Liebe.


Leos Janácek war bereits 50 Jahre alt, als diese Oper 1904 in Brünn uraufgeführt wurde. Er hatte ein Jahrzehnt an ihr gearbeitet - meist nachts, weil er am Tag an der Lehrerbildungsanstalt zu arbeiten hatte. Der große Komponist hat wohl einige autobiographische Züge in sein Werk verwoben, so nimmt man etwa an, dass Jenufa gar nicht wenig mit Janáceks Tochter Olga gemein hat, die tragisch starb ...


KUNST GEGEN GEWALT


Auf Anregung von Kunststaatsekretär Franz Morak hat sich eine Initiative gebildet, die in den nächsten Monaten eine Projektreihe zum Thema "KUNST GEGEN GEWALT" veranstaltet:
"Gewalt in all ihren Erscheinungsformen hat Ursachen, die in Wahrnehmungsdifferenzen zwischen einzelnen Menschen, Gruppen oder Nationen liegen und sich in Machtstrukturen, Ideologien und Herrschaftskonzepten manifestieren, welche dann mit gewalttätigen Mitteln durchzusetzen versucht werden. Millionen von Menschen erleben Gewalt, Krieg, Verletzungen und Unterdrückung ihrer Menschenrechte und -würde als leidvolle Alltagsrealität.


Vor diesem Hintergrund sowie den Ereignissen des vergangen Jahres und deren Folgen wurde die Initiative "KUNST GEGEN GEWALT" ins Leben gerufen. Sie hat das Ziel, die Öffentlichkeit durch die Mittel und Ausdrucksweisen der Kunst mit diesem Thema zu konfrontieren und zu sensibilisieren.


Geplant sind eine Reihe von Veranstaltungen aus den verschiedensten Kunstsparten, die unter das Motto "KUNST GEGEN GEWALT" gestellt werden bzw. die vielfältigen Ursachen von Gewalt in unserer Gesellschaft mit künstlerischen Mitteln thematisieren."


Geschäftsführung: Christiane Goller-Fischer
Vorstand: Christoph Brewka
Rudolf Fischer
Albert Hochleitner
Heinrich Keller
Johannes Kyrle
Alois Schittengruber
Reinhard Scolik
Georg Springer


Plattform "Kunst gegen Gewalt"


Carl Aigner, Thomas Angyan, Klaus Bachler, Erich Buxbaum, Gerhard Feltl,
Gerda Fröhlich, Tillmann Fuchs, Ingrid Haimböck, Petra Hauser, Clemens Hellsberg,
Frank Hoffmann, Ioan Holender, Hans Hollein, Agnes Husslein, Andrea Jungmann,
Christian Knechtl, Edelbert Köb, Christoph Lieben-Seutter, Dominique Mentha,
Stephan Nistler, Elisabeth Ochsner, Gustav Peichl, Wolf D. Prix, Helga Rabl-Stadler,
Günther Rhomberg, Matthias Ruegg, John Sailer, Klaus Albrecht Schröder,
Harald Serafin, Markus Spiegelfeld, Felix Unger, Wolfgang Waldner, Harry Weber,
Peter Weibel, Sarah Wilson


KUNST GEGEN GEWALT


Millionen von Menschen erleben Gewalt, Krieg, Verletzungen und Unterdrückung ihrer Menschenrechte und -würde als apokalyptische Alltagsrealität. Vor diesem Hintergrund sowie den Ereignissen des vergangen Jahres und deren Folgen wurde von Kunststaatssekretär Franz Morak das Projekt und die Initiative "Kunst gegen Gewalt" ins Leben gerufen. Sie hat das Ziel, die Öffentlichkeit durch die Mittel und Ausdrucksweisen der Kunst mit diesem Thema zu konfrontieren und zu sensibilisieren.


Es soll ein breiter Diskurs entstehen, der mit einer formalen - dem Logo - und einer weiten thematischen Klammer verkoppelt ist. Die Aktivitäten sollen von künstlerischen Initiatoren und Institutionen im Prinzip selbst getragen werden, jedoch ist für verschiedene Aktivitäten eine finanzielle Unterstützung als zusätzliche Animation vorgesehen. Die Bewussteinsbildung soll nicht nur durch künstlerische Präsentationen, sondern auch durch Benefizveranstaltungen gefördert werden, mit denen konkrete Hilfe geleistet wird. Die Einnahmen dieser Veranstaltungen sollen über Hilfseinrichtungen Gewaltopfern aus dem In- und Ausland zugute kommen. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler haben bereits ihre konzeptionelle und aktive Mitarbeit bei einzelnen Projekten zugesichert.
Um die Vielfalt der eingebrachten Ideen sinnvoll zu koordinieren und umzusetzen wurde ein vorläufiges Programmraster erarbeitet, der bewusst eine breite Palette verschiedener Kunstsparten und künstlerischer Präsentationsformen ins Auge fasst.

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