KUNST GEGEN GEWALT präsentiert

urban Tension

AN DER FASSADE DES BURGTHEATERS IN WIEN WIRD AM FREITAG, DEN 20. SEPTEMBER 2002 DAS MUSEUM IN PROGRESS PROJEKT "URBAN TENSION", BESTEHEND AUS EINER REIHE VON GROSSBILDERN IM ÖFFENTLICHEN RAUM UND EINER MEDIENSERIE, GESTARTET.



  • Bilder

  • "urban Tension" ist ein internationales, städteübergreifendes Projekt, das aus Großbildern im öffentlichen Raum von Wien, Frankfurt, Brüssel sowie einer Medienserie in der österreichischen Tageszeitung "Der Standard" besteht. Nach Auftakt mit einer Arbeit der mexikanischen Künstlerin Minerva Cuevas an der Fassade der Schirn Kunsthalle Frankfurt wird nun das Großbild des niederländischen Künstlers Erik van Lieshout an der Fassade des Burgtheater in Wien präsentiert.


    Im Rahmen des Projektes wurden bisher fünf Künstler - Ricardo Basbaum (Brasilien), Mircea Cantor (Rumänien/Frankreich), Minerva Cuevas (Mexico), Jens Haaning (Dänemark) und Erik van Lieshout (Niederlande) - von den Kuratoren Chris Dercon (Museum Bojmans van Beuningen), Rita Kersting (Kunstverein Düsseldorf), Hans-Ulrich Obrist (Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris) und Max Hollein (Schirn Kunsthalle Frankfurt) ausgewählt und mit einer Arbeit zu gesellschaftspolitisch virulenten Themen beauftragt. Die Resultate werden in Form von 10 x 10 Meter großen Bildern nacheinander je 2 Monate lang an ausgewählten öffentlichen Orten präsentiert. Die Großbildserie wird von zwölf Kunstseiten in der österreichischen Tageszeitung "Der Standard" begleitet, die von den oben genannten sowie sechs weiteren Künstlern gestaltet werden.


    "urban Tension" ist ein Projekt des "museum in progress" in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Bundestheaterverband und der Initiative "Kunst gegen Gewalt" in Kooperation mit der Kultur-Stiftung der Deutschen Bank und den österreichischen Kulturforen.


    Christoph Brewka, Präsident des Vereins "Art & Visions", Trägerverein der Initiative "Kunst gegen Gewalt": "Mit ,Art & Vision' verfolgen wir das Ziel, das kritische Potenzial der Kunst zu nutzen und dadurch eine breite Öffentlichkeit für das Thema Kunst und Gewalt zu sensibilisieren. Im Mittelpunkt der Bestrebungen steht dabei der Dialog zwischen den Kulturen, Gesellschaften und Religionen." Georg Springer, Generaldirektor der Bundestheater Holding: "Das Theater stand schon immer im Mittelpunkt gesellschaftspolitischer Diskussionen. Das ist gut so, wir sehen das als Herausforderung! In diesem Sinne ist es auch unser Auftrag, den wir gerne erfüllen, Erik van Lieshout - mit seinem sicher polarisierenden Sujet - zu präsentieren."


    Die Intention des Projektes "urban Tension" ist es, brisante gesellschaftspolitische Phänomene mit künstlerischen Mitteln zu thematisieren. Im Zentrum der Fragestellungen stehen die Auswirkungen der globalen Ökonomie, der Migration und der rasant wachsenden Städte auf die urbane Situation sowie die vielfältigen Ursachen und Erscheinungsformen sozialer und kultureller Konfliktpotentiale in unserer Gesellschaft. Durch die Präsentation im öffentlichen Raum werden diese Themen ins unmittelbare Lebensumfeld der Menschen gestellt.


    Der Beitrag des 1968 geborenen, in Rotterdam lebenden Künstlers Erik van Lieshout zeigt die Aufnahme einer Pinwand mit einer Kombination von Zeichnungen, die von Lieshout selbst stammen und eigens für dieses Projekt gezeichnet wurden. Sie zeigen Protagonisten der politischen Gegenwart, die er selbst als die "modernen und realen Draculas" beschreibt. Und Lieshout weiter: "I PAINT AN DRAW THEM. I KNOW THEM WELL, WE ALL KNOW HOW THEY LOOK LIKE, THEY ARE LIKE BRANDS, YOU KNOW THEM BY HEARTS. THE CONNECTIONS I MAKE SEEM TO BE ABSURD, BUT THEY ARE RIGHT."


    Für das Konzept und die Abwicklung des Projektes "urban Tension" zeichnet das "museum in progress" (mip) verantwortlich. Der 1990 in Wien gegründete private Kunstverein hat die Veränderungen im Vermittlungszusammenhang von Kunst aufgegriffen und innovative Modelle der Kooperation zwischen Kunst, Medien und Wirtschaft entwickelt. Er organisiert Ausstellungen in Tageszeitungen und Wochenmagazinen, auf Plakatflächen und Gebäudefassaden, im TV und im Internet und integriert damit Kunst ins Spannungsfeld des täglichen Lebens. Durch Kooperationen mit Medienträgern ("Der Standard", "Süddeutsche Zeitung", "Gewista", "ORF Kultur") erzielt "museum in progress" eine hohe Frequenz im öffentlichen Raum.


    Seit 1990 wurden europaweit zahlreiche Projekte mit internationalen KünstlerInnen, TheoretikerInnen, KuratorInnen und Institutionen realisiert. Neben Ausstellungen wurden zwölf Plakataktionen in Wien und teilweise anderen Städten durchgeführt. Dabei wurden jeweils 2500 Flächen pro Aktion für die Dauer von zwei Monaten mit einer künstlerischen Botschaft besetzt (u. a. Hans Peter Feldmann, Rosemarie Trockel, Beat Streuli). Darüber hinaus hat "mip" bereits früh das Medium "Großbild" für künstlerische Projekte entdeckt. Ein 540 m2 großes Bild von Ed Ruscha an der Fassade der Kunsthalle Wien markierte 1993 den Auftakt der gleichnamigen Ausstellungsreihe. Es folgten Projekte mit Walter Obholzer, Gerhard Richter, Douglas Gordon und Ken Lum. Letzteres wurde in verschiedenen Variationen bis heute weltweit an mehr als 15 kunstnahen Standorten gezeigt. Ein weiteres Aufsehen erregendes Projekt ist die künstlerische Gestaltung der Brandschutzwand zwischen Zuschauer- und Bühnenraum, des eisernen Vorhangs, der Wiener Staatsoper für jeweils eine Saison. Nach Kara Walker, Christine & Irene Hohenbüchler, Matthew Barney und Richard Hamilton wird zum Auftakt der Saison 2002/2003 die Arbeit des italienischen Künstlers Giulio Paolini gezeigt. Ab September 2002 wird in der Komischen Oper in Berlin erstmals auch in Deutschland eine Ausstellungsreihe auf dem eisernen Vorhang zu sehen sein.


    Mit der Großbild- und Medienserie "urban Tension" verbindet "museum in progress" die Idee eines europaweiten Netzwerkes von Partnerinstitutionen mit dem Modell eines dynamischen öffentlichen Ausstellungsraumes, der eine unmittelbare Auseinandersetzung mit künstlerischen Äußerungen evoziert.


    Erik van Lieshout im Gespräch mit museum in progress, September 2002 (Auszüge)


    "I PAINT AN DRAW THEM. I KNOW THEM WELL, WE ALL KNOW HOW THEY LOOK LIKE, THEY ARE LIKE BRANDS, YOU KNOW THEM BY HEARTS. THE CONNECTIONS I MAKE SEEM TO BE ABSURD, BUT THEY ARE RIGHT."


    You realized an image for the projekt URBAN TENSION. Please tell us about the ideas that lead to the piece?


    A lot of images come to mind when thinking about the urban. The urban is outside. It 's my street, it is the space between home and far away, between my TV and the Near East, the USA, South Africa etc..
    It is the commercial space between supernational companies and my turkish foodist, the space between my home and my girl friend's house. The urban is the anonymous world of people who want to get out and the places you know by heart.
    In my piece I combine images. The main figures in television, especially the bad, the evil, the counterparts, the modern and real draculas, who as we learn on TV and in the newspapers threaten everything that is our reality: which is eating, searching for sex and go shopping. I show them in connection with these activities . I paint and draw them. I know them well, we all know how they look like, they are like brands, you know them by heart. The connections I make seem to be absurd, but they are right.



    Can you tell us about the relationship of your work and the experience of tension in urban space?


    Tension is friction, excitement, danger, charge, it is the situation before explosion. There is a lot of control, supervision, surveillance, but also a lot of anonymity, freedom, diversity in urban space. A lot of my work takes place in urban space. My videos are shot in Rotterdam, Ghana or Berlin.
    We get important experience from TV and in my piece for urban tension I transfer these collective images of personalities that represent the repressed agressive to the street. Bin Laden, Pim Fortuyn or Haider are personnel of the media world. They create tension in multifacceted ways. I take them resp. their images into my studio, let them be themselves and get them out on the street again. Blown up as they like it. In the area of sex and shopping, culture and collective.



    What kind of effects do you expect, what sort of reception by the viewer /reader /passerby?


    People will probably be irritated by the expressive drawings of the morally bad and ugly. They know some of the people I drew, others not. We are forced to think about Bin Laden in a certain way. His image appears in very specific contexts, always accompagnied by a 'NO' . It is difficult for us not to think about him as a terrorist, but to imagine that he goes shopping. "Shop New York" to comfort the city. Shopping is forgetting.


    How important is it for artist to act pollitically?


    I can only talk about me and I think that everything I make is potitical.


    What is art able to effect in this context?


    Art has the power to get into the urban space, to infiltrate, irritate, shock, make laugh, slow down the pace, makle visible and counteract the naturalisation of the change of power of the urban space. It is a big necessity to act as an individual in the space that gets more and more collective, one logo, one body: subjective expression vs. superrepression.


    In our days artists act as sociologists ans social workers, as barkeepers and photoreporters, as scientists fro communicatiuon - how would you define your role in this respect?


    As an artist I touch a lot of these diciplines. I grow grass and offer smoking, I worked with kids from holland, marroko and ghana. But I am not a social worker neither is Thomas Hirschhorn in his fabulous Bataille Monument in Kassel. Artists have a different perspective. they follow different aims than people in other jobs.


    Which part plays the audience for a kind of art which is totally involved in everyday life?


    Art comes out of everyday life, concentrates parts and images of it. Art jumps back into everyday life or lands in a museum, a concentrated field which is preconditioned for a more aware reception.

    www.kunstgegengewalt.at Für Rückfragen:
    Verein Art & Vision
    p.A. Deutsche Bank
    Hohenstaufengasse 4
    1010 Wien
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    Ulli Dohr / Herta Cech
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